Immer mehr analog? Eine Trendanalyse


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Wenn man sich heute auf Social Media umsieht, kann man sich kaum davor verstecken. Immer mehr Guides für ein Leben offline oder wie in den 90ern werden plattformübergreifend in die Feeds gespült. Der Wunsch, Dinge wieder zu besitzen und nicht nur zu streamen, kommt bei vielen auf. Doch macht es wirklich einen Unterschied, ob ich einen Song von meiner CD abspiele oder streame? Ich habe mir das Phänomen mal angeschaut.

Positive Effekte?

Viele Guides im Internet versprechen eine verbesserte Aufmerksamkeit für die konsumierten Inhalte, wenn man sich bewusst für die CD, die Platte oder die DVD entscheidet. Ich für mich kann dieses Statement so nicht unterschreiben. Ich höre viel Musik von CDs. Zum einen, da ich so die Künstler*innen direkt unterstütze und weil es Musik ist, die mir Spaß macht. An den Abnutzungsspuren der CD-Hülle kann ich sehen, wie lange und intensiv mich eine CD begleitet. Die meiste Zeit höre ich CDs jedoch (noch) im Auto. Sich also ganz auf die Musik zu konzentrieren, ist da nicht drin. Es bringt einfach Freude, die Lieblingslieder zu hören oder auch ein Konzeptalbum auf längeren Fahrten von vorne bis hinten laufen zu lassen. Filme kann ich nicht analog aussuchen, aber auch digital wähle ich sie sehr bewusst aus und lege das Handy dann auch zur Seite. Vielleicht ist es also gar nicht der Besitz, der den Konsum so viel besser macht, sondern der bewusste Verzicht auf andere Ablenkung. Während die CD spielt, erhalte ich keine Nachrichten auf dem Radio.

Ist es so auch mit anderen Dingen? Sich bewusst auf ein Buch zu fokussieren, fällt leichter, wenn es nicht die Möglichkeit gibt, nebenbei abgelenkt zu werden.

Greenwashing

Ein weiterer Punkt, den viele „Go Analog“-Guides angeben, ist die Nachhaltigkeit. Man kauft gebrauchte CDs und bereits existierende DVDs und Blu-rays oder holt sie wie die Bücher direkt aus der Bücherei. Aber ist das wirklich eine Verbesserung für unser Konsumverhalten? Oder ist es nicht viel mehr so, dass wir unseren Konsum verlagern?

Statt ständig durch Netflix oder Spotify zu scrollen ohne eine Entscheidung zu finden, scrollen wir nun durch Vinted oder Libby und können uns dort nicht entscheiden. Wir horten und häufen Besitz an, der aktuell im Trend ist. Aber wohin mit dem Krempel, wenn analog nicht mehr angesagt und im Trend ist? Wirst du deine CDs, DVDs und Bücher dann noch behalten wollen?

Digitale Unabhängigkeit

Sicherlich bietet ein mehr auf die analoge Welt ausgerichtetes Leben einen großen Vorteil: digitale Unabhängigkeit und die Möglichkeit, sich damit zu beschäftigen. Einzelne große Konzerne dominieren den Markt und sind nahezu zu Synonymen für soziale Medien oder Streaming geworden. Sich hier nach Alternativen umzusehen und neue Wege im eigenen Alltag zu finden, kann sich in vielen digitalen Bereichen lohnen und sich positiv auf den Schutz der eigenen Daten und den Geldbeutel auswirken.

Wenn dieser Trend dazu führt, sich sich dessen klar zu werden und in kleinen Schritten für Veränderung im eigenen Verhalten und im Konsum führt, ist viel erreicht. Wer mehr Informationen zur digitalen Unabhängigkeit sucht, wird unter https://di.day/de fündig.

Fazit

Trends in den sozialen Medien sind oft sehr kurzlebig und befeuern eher überflüssigen Konsum oder bedienen eine Ästhetik. Der Trend weg von digitalem Medienkonsum verkauft uns wieder Konsumgüter und versucht uns zum Kaufen zu animieren. Der Trend hat unbestreitbar auch positive Aspekte und kann für Einzelne einen Weg aus dem Doomscrolling, übermäßigem Nachrichtenkonsum und/oder „Brainrot“ sein. Insgesamt sollte man für sich den Trend auch so weit reflektieren, dass man nicht von einem Konsum in den nächsten und damit vom Regen in die Traufe gerät. Die Menge macht das Gift. Das ist vielleicht nicht nur bei Genussmitteln ein guter Grundsatz, sondern für den Konsum allgemein.