„Alles, was zuende ist, kann auch Anfang sein. Man sollte nicht an alten Zeiten kleben.“
So beginnt ein Song einer Lieblingsband meines Vaters, an dessen Text ich im Moment öfter denke. Vielleicht kennt ihr auch dieses Gefühl, wenn sich die WG aus unterschiedlichen Gründen auflöst. Oder wenn die Menschen, mit denen man das Studium begonnen hat, nahezu in alle Himmelsrichtungen verstreut scheinen. Von einer ähnlichen Erfahrungen möchte ich heute berichten, denn ich habe vor Kurzem meinen am längsten dauernden Nebenjob verlassen.
Mein erstes Studium lief nicht so rund, wie ich mir das vorgestellt hatte und auch nicht so, wie viele in meinem Umfeld davon geschwärmt hatten. Für mich verlief es eher zäh und bei jeder Klausur hatte ich das Gefühl, gut vorbereitet gewesen zu sein – bis ich das erste Blatt umdrehte.
Dann kam Corona.
Meine neuen Freundschaften und Lerngruppen brachen in dieser Zeit komplett zusammen. Das Gefühl der Überforderung wurde immer größer, bis ich schließlich das Studium abbrach. Doch nichts tun war für mich keine Option, also habe ich mich auf FSJ Stellen beworben.
Unverhofftes Glück
Die meisten Stellen waren bereits besetzt, ich war spät dran, da das alles ja so nicht geplant war. Am Ende erhielt ich eine Zusage für eine Grundschule. Nie hatte ich mit Menschen arbeiten wollen, mit Kindern schon gar nicht. Die Anfangszeit war holprig. Alle mussten sich erst mit der neuen Situation rund um Corona zurechtfinden. Dazu kamen die alltäglichen Herausforderungen, die die Arbeit mit Grundschulkindern mit sich bringt. Nach 2 Monaten aber kam ich an. Ich entwickelte langsam ein Gespür dafür, was mit den Gruppen, denen ich zugeteilt war, funktionierte und was nicht. Ich durfte Einzelförderungen machen und baute Beziehungen zu einigen Schülerinnen und Schülern auf. Nie könnte ich vergessen, wie ehrlich und lieb zugleich die Kinder zu mir waren. Ich kam eines Morgens zum ersten Mal mit zusammen gebundenen Haaren in den Raum und die Schülerin C. sagte zu mir ich sähe heute schön aus, nicht so wie sonst. Oder wie mir die Kinder zum Geburtstag ein Ständchen gesummt haben (Singen war wegen Corona verboten). Auch die Lehrkräfte, mit denen ich zusammenarbeiten durfte, waren sehr hilfsbereit. Sie haben viel erklärt und mir auch eigene Aufgaben zugetraut wie Lesen in Kleingruppen.
Bereits als mein FSJ vorbei war und ich mich zunächst verabschieden musste, war ich traurig und wäre gerne geblieben. Ich kam einfach wieder: Als Nebenjob.
Die Rollen veränderten sich mit dem Wechsel. Ich kam nur noch nachmittags für die Hausaufgabenbetreuung und anschließende AG-Zeit. (Vieles verlief eigenständiger. Es wurden Konzepte für die freie Zeit nach den Hausaufgaben entwickelt und Angebote geplant, die auf die jeweilige Jahreszeit angepasst wurden). Insgesamt 2,5 Jahre haben meine Kollegen und uns ich auch mit einzelnen Schülergruppen um die Schulhühner gekümmert. All das ist nun vorbei.
Etwas Neues
Nach fast 6 Jahren bin ich im Februar mit einem lachenden und einem weinenden Auge gegangen. Ein lachendes Auge, weil ich etwas Neues anfange und auch in meinem neuen Nebenjob mich schon gut zurechtfinde. Ein weinendes Auge, weil ich auch sehe, was ich zurückgelassen habe: Ein tolles Kollegium, viel Zeit an der frischen Luft, Möglichkeiten kreativ zu werden, und natürlich die Kinder.
Die meisten Kinder, die mit mir angefangen haben, sind spätestens letztes Jahr auf eine weiterführende Schule gewechselt. Vielleicht war es also auch für mich einfach an der Zeit weiterzuziehen.
Was bleibt also hängen nach all dem?
Ich bereue nicht, an meinem ersten Studium gescheitert zu sein. Ich habe gerade dadurch viele Erfahrungen sammeln können, die ich sonst vielleicht nie gemacht hätte. In meinem ersten Studium traf ich tatsächlich einige der besten Freunde meines Lebens. In meinem anschließenden FSJ und Arbeitstätigkeit im pädagogischen Bereich habe ich viel lernen und wachsen dürfen. Vieles davon wird mich begleiten und von vielen schönen Erlebnissen kann ich zehren. Ich bin unglaublich dankbar für die Zeit, die ich an dieser Grundschule verbringen durfte, die Menschen, die mich dort unterstützt haben und die mich immer ermutigt haben einen Weg für mich zu finden. Ich werde euch und die tollen Gespräche, die ich mit vielen von euch hatte, sehr vermissen!
Was ich allen Studis sagen möchte, die vielleicht auch an ihren Entscheidungen zweifeln, an ihrem Studium: Gebt diesen Zweifeln Raum und sprecht darüber. Denn klar hat man Mal eine miese Woche, einen miesen Kurs oder vielleicht auch ein Semester, das nicht läuft wie erhofft. Aber wenn dauerhaft Zweifel da sind,dann habe den Mut, nach Alternativen zu suchen! Mach dich nicht selbst unglücklich.

