Afrika ist ein riesiger und zugleich sehr abwechslungsreicher Kontinent. Dennoch habe ich das Gefühl, dass er häufig über einen Kamm geschoren wird und insbesondere über manche Gegenden viele Vorurteile bestehen. Aus diesen Gründen und weil ich meine Eindrücke aus dem westafrikanischen Ghana schildern möchte, will ich euch gerne auf meine Reise mitnehmen. Dieser Artikel wird dabei nur der Anfang einer mehrteiligen Reihe sein.
Mitte Oktober war es für unsere Reisegruppe so weit: Mit einer Zwischenlandung in Istanbul sind wir nach elf Stunden Flugzeit in Ghana gelandet. Am Flughafen in Accra wurden wir von unserem sympathischen Guide Yaya empfangen, welcher ab der ersten Sekunde nur so vor Lebensfreude und Sympathie strotzte und uns zu unserem Hotel brachte.
Vor dem Hotel standen etwa zwanzig Menschen vor einem Fernseher an einem Kiosk versammelt, um das entscheidende WM-Qualifikationsspiel für Ghana zu schauen. Da Ghana dieses auch noch gewonnen hatte, war die Stimmung umso ausgelassener. Für unsere Reisegruppe stand nach der langen Anreise jedoch erst einmal Erholung auf dem Programm..
Am nächsten Morgen stand nämlich schon ein sehr interessanter Programmpunkt auf dem Plan: Der Besuch der größten Elektroschrott Deponie „Agbogbloshie“. An diesem Ort werden alte elektronische Geräte aus Europa, den USA und anderen Industrie-Ländern gesammelt. Die Müllhalde gilt mit 1.600 Hektar als eine der größten der Welt. Jedoch gibt es auch nur wenige Orte, die so dreckig und mit Schwermetallen belastet sind, wie es hier der Fall ist. Der Elektroschrott wird von etwa 5.000 Einheimischen repariert. Diese leben oft sogar direkt auf der Müllhalde. Wenn der Schaden an den Geräten zu stark ist, werden Materialien, wie Kupfer, ausgeschlachtet. Für einen Pound Kupfer (0,45 kg) bekommt man dort 50 Cedi, was ca. 4 Euro entspricht.

Diese Deponie lässt sich sowohl von einer guten als auch von einer schlechten Seite betrachten. Einerseits gibt der Handel den Menschen vor Ort Arbeit und Zugang zu bezahlbaren elektronischen Geräten wie Kühlschränken, Computern oder Handys. Yaya sagte uns, dass die Arbeit auch die Kriminalität in der Gegend deutlich senken würde. Außerdem wird dort repariert, recycelt und wiederverwendet, etwas, was wir bei uns in den Industrie-Ländern durch unsere Privilegien vernachlässigen. Andererseits ist es schwer zu ignorieren, dass westliche Gesellschaften ihre für „unbrauchbar“ erklärten Dinge in andere Länder abschieben, ohne versuchen nachhaltig zu leben. Für diese Menschen muss also unser „Schrott“ reichen, was sich einfach nicht richtig anfühlt.
Nach dem Ausschlachten der Geräte werden die Reste vor Ort auf den Müllhalden verbrannt, was vor allem für die Anwohner aber auch für die Tiere und das Klima zu schwerwiegenden Folgen führen kann. Zwischen den Kabeln, dem Müll und Drähten laufen Ziegen und Kühe umher. Ihre Lebensumstände waren schwer mit anzusehen, auch wenn die für die dort lebenden Familien vermutlich eine wichtige Nahrungsquelle darstellen.

Trotz dieser schwierigen Umstände begegneten uns die Menschen dort mit bemerkenswerter Offenheit und Freundlichkeit. Die Menschen vor Ort nutzen die „Abfälle“ des globalen Handelns, obwohl sie etwas Besseres verdient haben. Aus den ihnen zur Verfügung gestellten Ressourcen machen sie das Beste.
In den nächsten Tagen durfte ich aber auch die vielen positiven Facetten von Ghana kennenlernen. Wie ich fast auf einen Skorpion getreten bin, in freier Wildbahn vor einem Elefanten stand oder das Nachtleben in Accra erlebte, erzähle ich im nächsten Teil dieser Reihe.

