Wenn Nachrichten zur Last werden


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Vorab eine Trigger Warnung: Es geht um heikle Themen wie körperliche/ sexuelle Gewalt und Unterdrückung!


Wenn man in die aktuellen Nachrichten schaut, kann einem wirklich nichts anderes als schlecht werden. Sie handeln von Kriegen, in denen reiche Männer junge Kerle in meinem Alter als Kanonenfutter verpulvern, Familien trennen und Hungersnöte in Kauf nehmen, ohne dabei an die Folgen zu denken. Der Sudan, die Ukraine oder Palästina sind hier nur die bekanntesten Schauplätze.

Bei uns steigen rechtsextreme Kräfte immer mehr auf. Dabei fragt man sich, ob daran „nur“ die AfD schuld ist, oder sich doch ein demokratiefeindliches Bild in unserer Gesellschaft festigt, vor allem unter uns jungen Leuten. Allein diese Themen liegen mir in den die letzten Monaten und Jahren schwer im Magen.

Die Veröffentlichung der Epstein-Akten hat für mich persönlich das Fass aber zu Überlaufen gebracht, weshalb ich mir meinen Kummer, oder besser gesagt meinen „Weltschmerz“ hier einmal von der Seele schreiben möchte.


Am 30. Januar veröffentlichte das US-Justizministerium Millionen von Akten rund um Jeffrey Epstein, seiner Privatinsel und die Personen, die sie besuchten. Für die, welche sich vielleicht noch nicht tiefer damit befasst haben: Die Akten bestehen vor allem aus E-Mails des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein mit anderen Personen. Die E-Mails handeln wohl unter anderem von Menschenhandel, in vielen Fällen von minderjährigen Mädchen, sowie Vergewaltigungen an diesen Opfern.[1] Meist wird dies jedoch nicht explizit ausgeschrieben, sondern wahrscheinlich mit Codewörtern wie „Pizza“ für eine Frau und „Cheese“ für ein kleines Mädchen umschrieben. Diese Begriffe kamen bereits 2016 bei der sehr umstrittenen „Pizzagate“ Theorie auf, in der Eliten ebenfalls beschuldigt wurden Kinder zu entführen und sie zu missbrauchen.[2]

Die Adressaten, an die Epstein diese Nachrichten verschickt hat sind größtenteils geschwärzt, weil das Justizministerium ganz offensichtlich an dem Schutz dieser Männer interessiert ist. In Europa gab es bereits einige Rücktritte von hochrangigen Politikern, welchen eine Nähe zu Epstein nachgewiesen wurde. Während das FBI tatenlos zusieht, wurden die Namen der Epstein-Überlebenden schutzlos preisgegeben. Dass sich US-Justizministerin Pam Bondi weigert, um Entschuldigung zu bitten, zeigt die moralische Verdorbenheit des Systems. Es ist ein klares Signal: In der US-Justiz ist der Täterschutz wichtiger als das Schicksal der Betroffenen.

Seit der Veröffentlichung der Akten bin ich durch Social Media in ein Rabbit-Hole gefallen und es hat quasi jedes dritte Reel die genannten Akten als Thema. Auch wenn, wie immer im Internet, viel gelogen und gefälscht wird, zeichnet sich für mich ein klares Bild ab: die mächtigsten Menschen der USA (Trump wurde in den Akten öfter genannt als Jesus in der Bibel – wtf), aber auch Europas, können machen was sie wollen ohne Konsequenzen zu fürchten. Es werden sich einfach einzelne ausgesucht, wie Epstein oder seine Frau Ghislaine Maxwell, welche dann für alles ihren Kopf hinhalten müssen, während der Rest mit Verleumdung, Ausreden oder Totschweigen einfach davonkommt. Demokratisch gesehen hätten alle, welche von den Verbrechen auf der Insel wussten, zumindest ihr ganzes Leben hinter Gittern verdient. Die Moral ist tot, wenn sie diesmal wieder damit davonkommen, das ist zumindest meine Meinung.


Aber was bedeutet das alles eigentlich für uns? Naja, wir könnten einfach wegschauen und unser Leben weiterleben. Zur Arbeit oder zur Uni gehen, Freunde treffen und Fußball schauen. Mit dem Wissen, das die Eliten der Welt unvorstellbare Verbrechen begehen und es keine Instanz gibt, welche sie aufhalten kann oder will. Aber realistisch betrachtet, was sollen wir als „kleine“ Individuen auch dagegen tun, wenn milliardenschwere Männer Kriege beginnen, Kinder entführen und Menschen als ihr Eigentum sehen? Diese Frage plagt mich momentan zutiefst.

Ich arbeite neben meinem Studium in einem Supermarkt. Wenn ich dort Familien mit kleinen Kindern sehe, freue ich mich einerseits über die Freiheit, die wir hier haben. Andererseits denke ich aber auch an die Schicksale der Familien und besonders der Kinder, welche durch Kriege, Hungersnöte und Entführungen zerstört wurden, ohne dass sie je etwas falsch gemacht haben. Sie hatten einfach Pech und ich einfach Glück, das mir so etwas nicht passiert ist.

Diese Hilfslosigkeit, die Realisation,  dass mir nichts als die Hoffnung auf Gerechtigkeit und Frieden bleibt, auch wenn dies wohl sehr naiv ist, zieht mich immer wieder in ein tiefes Loch. Für viele Menschen kann der Nachrichtenkonsum daher zu einer großen Belastung werden. Aus diesen Gründen entscheiden sich einige meiner Freunde aus Selbstschutz dafür, diese nicht mehr zu schauen. Ich würde den Artikel gerne positiver beenden, jedoch ist das bei diesen Themen meiner Meinung nach nicht angebracht. Passt auf euch auf und versucht aufzuklären, wo es geht. Vielleicht kann das irgendwann einen Unterschied machen.


[1] https://www.nachrichtenleicht.de/epstein-files-106.html (Deutschlandfunk)

[2] https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.pizzagate-skandal-was-er-mit-epstein-zu-tun-hat.5bf30907-bf36-4684-a602-a1ed7fce3dc7.html (Stuttgarter Zeitung)