Die deutsche Indie-Pop-Band MOLA wird am 14. Juni um 20:30 Uhr auf dem Fairytale Festival spielen. Der Campuskater hat Frontfrau und Songwriterin Isabella Steineder (MOLA) vorab zum Interview getroffen – ein Gespräch über die Band und wer sie sind, über das Festival und ob das Bier warm oder kalt besser schmeckt und damit selbstverständlich über das neue Album „Liebe brutal“ und die im Herbst anstehende Tour.
Das Gespräch führten Nicola Harzen und Linda Rogall.

Für alle, die euch beim Fairytale Festival zum ersten Mal erleben: Wer ist eigentlich MOLA?
Ja, ich glaube, das muss ich einmal erklären: Also MOLA ist der Nachname meiner Mama, also daher kommt der Name. Da ich alle meine Texte selbst schreibe und damit meine Lebensperspektiven darstelle, identifiziere ich mich [mit MOLA] auch als Solo-Künstlerin. Auf der anderen Seite spiele ich mit meiner Band aber seit über zehn, teilweise 15 Jahren zusammen. Das ist für mich ganz klar, dass die auch Teil des MOLA-Konstrukts sind. Ich könnte mir niemals vorstellen, da irgendjemanden auszutauschen.
Und ich weiß, dass es manchmal so ein bisschen confusing ist, weil man denkt, ist es jetzt eine Band? Ja, es ist eine Band, weil wir live immer in derselben Formation auftreten und es keine „Dienstleistungsmusiker*innen“ sind. Es ist eine feste Band, mit der ich einfach seit vielen Jahren von Gigs vor drei Leuten bis heute zusammengespielt habe. Deswegen ist die Band MOLA, aber auch ich.
Wie habt ihr euch denn eigentlich gefunden?
Viel lief über Bekannte – Das waren eigentlich so schicksalhafte Zusammenführungen. Die Musikbubble in München ist nicht so riesig und da redet man untereinander.
Und dann sagt man ,Hey, ich suche einen Drummer´. ´Ach, ich kenne da jemanden, mit dem habe ich schon mal zusammengespielt. So sind wir irgendwie alle zusammengekommen.
Und wie läuft der kreative Prozess? Kommt auch mal Input von der Band?
Der kreative Part passiert hauptsächlich zusammen mit Markus Sebastian Habauer, der bei uns Bass spielt. Er hat die letzten zwei Platten und EPs produziert und wir sind auch seit Jahren privat ein Paar. Und im Normalfall gehe ich mit ihm ins Studio.
Manchmal bringen sich die Jungs aus der Band ein, aber musikalischer Input von ihrer Seite ist eher die Ausnahme. Richtig dazustoßen tun sie vor allem, wenn es um die Live-Arrangements geht. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass sich einer von ihnen trauen würde, mir zu sagen: „Ändere mal die Textzeile.“
Wo wir gerade bei Performance sind: Welcher Song macht in der Performance eigentlich am allermeisten Spaß?
Also ein Song, der irgendwie immer total Spaß macht und auf den ich mich jedes Mal freue, ist „Das Leben ist schön“. Der hat nämlich einen Mitsingen-Part, bei dem wir mit dem Publikum zusammen singen. Und das ist immer so ein geiler Moment, mit den Leuten zusammen so als Mantra in die Welt zu brüllen: „Das Leben ist schön“. Das ist eigentlich fast immer das letzte Lied, das wir spielen. Man ist dann schon irgendwie warm geworden mit dem Publikum und alle haben sich ein bisschen drauf eingelassen. Das ist immer voll der Magic Moment.
Und ein Song der gerade frisch raus ist und auch Spaß macht ist „Mama“: Das ist einfach lustig zu sehen, wie manche Leute total drauf abgehen und es voll fühlen und andere Leute so einen kurzen Irritationsmoment haben, weil es nicht so ein klassischer Popsong-Text ist, den man so kennt sondern eine Up-Tempo Nummer, die irgendwie auch abgeht. Das macht mir auch voll Spaß.
Ja, ich habe den auch schon gehört. Der macht echt Spaß. In eurer neuen Single „Mama“ ist der Text ist schon auch politisch. Würdest du sagen, dass das neue Album insgesamt eher ein bisschen politischer wird als die Sachen, die ihr davor gemacht habt?
Ich glaube, so metaphorisch habe ich schon immer versucht, durchscheinen zu lassen, wie meine Haltung ist. Leute, die die MOLA-Alben kennen und die Musik hören, verstehen auf jeden Fall auch, in welchem politischen Spektrum ich mich bewege. Aber das ist wahrscheinlich schon ein Song, der [das Politische] relativ konkret anspricht und nicht nur metaphorisch.
Ich finde, politische Popsongs zu schreiben, ist wirklich die Königsdisziplin. Es ist total wichtig, dass der Song nicht so einen „Zeigefinger-Vibe“ hat und auch reflektiert bleibt. Kein ‚Ich erzähle euch jetzt mal, wie es richtig wäre‘, sondern dass es trotzdem Kunst bleibt und Bock macht. Ich habe mich aber auch schon oft davor gescheut.
Mir war es wichtig auf dem „Liebe brutal“-Album auch wirklich mal einen Song dabeizuhaben, der ein bisschen direkter und konkreter Dinge anspricht. Und es sind jetzt auf jeden Fall zwei Songs mit „Mama“ dabei, die das tun. Vielleicht wird das übernächste Album ja sogar rein politisch. Ich will da nichts verschreien. Aber das ist schon nicht aus Versehen passiert, sondern es war mir schon auch wichtig, das so zu machen.
Am 14. Juni spielt ihr auf dem Fairytale-Festival in Osnabrück. Wie kam es eigentlich dazu?
Ich kannte das Festival schon vorher, das heißt es stand sowieso auf meiner bucket-list. Die Anfrage kam dann über unser Booking und da habe ich mich mega gefreut.
Kennt ihr denn auch andere Künstler*innen, die da spielen?
Megaloh zum Beispiel kenne ich schon seit den Anfängen. Und mit Yung FSK 18 bin ich sogar ein bisschen internet-befreundet, obwohl wir uns schon persönlich gesehen haben. Wir haben so eine kleine Internet-Fangirl-Love, könnte man sagen. Ich finde total stark, was sie macht, und sie supportet MOLA auch. Sie war zum Beispiel schon auf Konzerten z.B. in Berlin.
Ghost of Baltimore kenne ich persönlich nicht, aber Mariybou finde ich supercool. Das ist ein Act, der mir immer wieder über den Weg läuft: auf Line-Ups, in Playlists, beim Musikhören. Da freue ich mich echt drauf. Und The TChIK gehört eigentlich fast zur guten Musik-Kinder-Bildungsstube dazu
Ja, besser könnte es eigentlich nicht kommen. Also ich freue mich mega auf den Tag und eigentlich alle Acts.
Ja, sehr schön. Dann bleibt ja noch, mit Blick auf die neueste Single zu fragen, soll das Bier auf dem Festival dann warm oder kalt sein?
Es soll kalt ausgeschenkt werden. Aber der Tag wird so heiß und es geht so ab, dass es einfach warm wird. So würde ich es mir wünschen.
Was würdest du sagen, worauf können sich die Festivalbesucher speziell bei eurem Act besonders freuen?
Ich glaube, worauf sich die Leute freuen können, ist, dass sie bei einem MOLA-Konzert ein komplettes Paket an Emotionen erwartet. Es ist nicht einfach nur durchgehend Party, Party, Party – aber die gibt’s natürlich auch: Songs, wo gepunkt und zusammengesprungen wird. Es gibt aber auch total emotionale Songs, bei denen man seinen Bestie in den Arm nimmt und zusammen in die Welt grölt. Ich glaube, es ist eine richtige Achterbahnfahrt der Gefühle.
Also die Mischung macht es.
Ja, voll.
Ihr wart ja letztes Jahr schon auf Tour und auch dieses Jahr geht’s wieder los. Was würdest du sagen: Ist es schöner, vor der eigenen Haustür zu spielen – oder liegt der Reiz eher darin, unterwegs zu sein, immer wieder ein neues Publikum zu erleben?
Also nur hier in München zu spielen, fände ich sehr langweilig. Unterwegs zu sein, das ist schon richtig geil. Es macht auch einen riesigen Unterschied, ob man auf Tour ist oder auf Festivals spielt: Auf Tour ist das Schöne, dass du wie mit deiner kleinen Familie unterwegs bist. Es sind immer dieselben Leute, was teilweise total schön ist, weil man sich ein bisschen mehr eingroovt und ein bisschen mehr mit Ruhe unterwegs ist.
Was aber auf den Festivals viel geiler ist, dass man z.B. wie jetzt beim Fairytale ankommt und selber fünf Acts live anschauen. Du lernst irgendwie Leute kennen. Du weißt nicht, was dich erwartet. Du wirst da so reingeschmissen und saugst diesen Tag auf.
Deswegen ist beides voll schön – Tour und Festival. Aber nur zu Hause spielen? Darauf hätte ich gar keinen Bock.
Okay. Würdest du sagen, dass das Festival fast noch ein bisschen mehr Spaß macht als Tour?
Das Festival ist auf jeden Fall viel spannender. Ich glaube, im November haben wir 16 Tourstopps in einem Monat. Wenn du dir vorstellst, das wären 16 Festivals, das saugt dich viel mehr auf. Du redest ja mit Leuten, trinkst vielleicht ein Bierchen, quatschst mit irgendjemandem. Das ist auf eine Art total geil, aber auch richtig energiezehrend. Auf Tour ist es dagegen ein bisschen kuscheliger: Du bist mit deiner Crew unterwegs und weißt, alle sind so für dich da.
Wenn man so einen aufregenden Job hat, braucht man dann so ein ruhiges Hobby zum Ausgleich oder eher irgendwas, wo man auch nochmal Dampf ablassen kann?
[lacht] Du hast mich mitten in meiner Steuer unterbrochen, aber ich freue mich auch darüber. Also es gibt ja tatsächlich an dem Musiker*innen-Dasein auch Sachen, die gar nicht mal so spannend sind, wie eben Steuerkram.
Aber du hast schon recht: Man braucht auf jeden Fall einen Ausgleich. Wir waren gerade erst im Urlaub und haben da wirklich einen totalen Rentnerurlaub gemacht. Ich hab gesagt: Wir sind den ganzen Sommer auf Festivals unterwegs, danach kommt die Tour. Das Letzte, worauf ich in meinem Urlaub Bock hab, ist Party machen.
Wir sind zu Stränden gewandert, im besten Fall gerne zu Fuß, weil ich dann Bock habe, mich auch zu bewegen und zu entschleunigen. Ich finde, wenn man mal spaziert, geht das voll gut. Im Alltag geht’s ja oft nur darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen
Also ja, Natur, spazieren, früh ins Bett, Tiere beobachten. In meiner Freizeit suche ich tatsächlich eher Ruhe, um ein bisschen runterzukommen von all der Action, die das Tourleben mit sich bringt. Ich muss auch sagen, es bleibt auch gar nicht so viel Zeit. Ich arbeite neben MOLA noch drei Tage die Woche in einer Produktionsfirma als Video-Editorin.
Es würde zwar langsam gehen, dass man nur von der Musik lebt, aber ich will trotzdem weiterarbeiten in diesem Beruf. Ich weiß ja nicht, wie lange es mit MOLA noch so weiterläuft… Und ein zweiter Punkt ist auch, dass dann nicht so ein krasser wirtschaftlicher Druck auf MOLA ist. Die Musik trägt sich zwar gerade so, aber ich müsste schon sehr aufs Geld achten, wenn ich sagen würde, das ist jetzt meine einzige Einnahmequelle. Und so gibt es mir ein bisschen mehr Freiheit in der Kunst und ich bin irgendwie entspannter.
Aber dann muss ich sagen, mit drei Tagen die Woche arbeiten, neues Album schreiben, ins Studio gehen, Songs aufnehmen, auf Touren gehen, Festival spielen, Social Media, das muss man ja mittlerweile als Artist auch noch machen, bleibt gar nicht mehr so wahnsinnig viel Zeit.
Was würdest du denn jungen Menschen oder Studis raten, die kreative Arbeit machen oder Künstler*innen werden wollen?
Ich würde auf jeden Fall empfehlen, zumindest die Schule ordentlich abzuschließen, dass man langfristig alle Optionen offen hat. Wenn du jetzt Musiker*in werden willst, im Sinne von, dass du eine Band gründen willst und einen eigenen Song schreiben musst, ist ein Studium überhaupt keine Voraussetzung. Und wenn du das total spürst, finde ich es auch richtig, sich da mit 18 zu 100 Prozent reinzuschmeißen.
Gibt es noch etwas, was du auf jeden Fall noch loswerden möchtest?
Ich freue mich riesig, zum Fairytale zu kommen. Ich bin krass gespannt auf den Tag. Ich finde das Line-up großartig. Daher: Komm zum Fairytale-Festival, bringt Amore mit. Bringt Partywut mit, aber seid sehr lieb miteinander.
An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für das nette Gespräch. Wenn ihr jetzt hooked seit, dann kommt zum Fairytale Festival im Schlossinnenhof. Wenn ihr mehr von MOLA hören wollt, findet ihr sie auf den gängigen Streaminganbietern. Und wenn ihr sie nochmal sehen wollt: Ab November sind sie mit ihrem neuen Album „Liebe brutal“ auf Tour. Am 12.11. in Hannover und am 13.11. in Hamburg.

