Emus vs. australische Armee: Der kurioseste Krieg der Geschichte


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Als ein Land den Kampf gegen Vögel verlor

von Tim Middendorf


Für unsere heutige Ausgabe unserer Rubrik „Rabbit Hole der Woche“, möchte ich euch eine Geschichte näherbringen, die so verrückt klingt, dass man sie beim ersten Mal Hören für einen schlechten Witz hält. Das Thema dabei ist der sogenannte „Emu-War“. Dieser wurde im Jahr 1932 von der australischen Regierung gegen die riesigen flugunfähigen Vögel ausgerufen. Der Ablauf und der Ausgang dieses Konfliktes stellt hierbei wohl einer der unfassbarsten Geschehnisse der Militärgeschichte dar.

Durch ein YouTube-Video mit dem kuriosen Titel „Mensch vs. Biest“ mit einem Emu auf dem Thumbnail von Jules bin ich auf das Thema aufmerksam geworden. Dies hat zur Folge gehabt, dass ich mich stundenlang mit diesem Thema beschäftigt habe und meine Faszination bis heute anhält.

Die Vorgeschichte

Nach dem Ende des ersten Krieges kehrten viele Veteranen zurück in ihr Heimatland Australien. Dort fingen sie neu als Farmer auf Ackerland an, welches sie von der Regierung als Dank für ihren Dienst bekamen. Als dann 1929 die Weltwirtschaftskrise ausbrach, ermutigte die australische Regierung die Farmer, deutlich mehr Weizen anzubauen, damit das Land die Krise überstehen könne. Womit die Australier aber nicht rechneten, war der eineinhalb Meter große und rund 50 kg schwere Emu. Etwa 20.000 dieser Tiere zogen nämlich über die Felder der Farmer her und zerstörten die Ernten sowie Zäune. Diese Zäune hatten das Ziel, weitere Schädlinge fern von der so wichtigen Ernte zu halten. Gerüchten zufolge fielen sogar einige Farmer dem Emu zum Opfer, als sie versuchten, sich in seinen Weg zu stellen, um ihre Felder zu schützen. In ihrer Hilflosigkeit wendeten sich die Betreiber der Felder an die Regierung und forderten schnelle Hilfe. Da unter den Farmern viele Veteranen waren, welches großes Ansehen besaßen, hatte die Regierung keine Wahl, als zu handeln.

Der Krieg

Auf Druck der Bevölkerung entsandte der australische Verteidigungsminister den erfahrenen Soldaten Major John Meredith sowie ein Bataillon der königlichen australischen Artillerie, welches das Problem schnell lösen sollte. Dabei waren 30 schwerbewaffnete Soldaten mit militärischer Erfahrung im Einsatz. Diese Geschehnisse waren der Presse folglich auch bekannt und es wurde ein Artikel veröffentlicht, welcher von dem „first shot in Emu War“ berichtete und so für Interesse in großen Teilen der australischen Gesellschaft sorgte. 

In der ersten Schlacht des Krieges am 2. November 1932 gelang es den Soldaten, etwa 50 Emus zusammenzutreiben. Nachdem sie begangen sie zu beschießen, mussten sie feststellen, dass der Konflikt nicht so einfach zu lösen war, wie sie vielleicht annahmen. Durch eine Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h waren die Vögel nämlich sehr schwer zu treffen. Dies führte dazu, dass bei dieser Schlacht viel weniger Emus als erhofft starben und die allermeisten Vögel unbeschadet fliehen konnten. 

Die Konfliktparteien stehen sich gegenüber… (Quelle: BeastsOfWar.com)

Der erfahrene Meredith ließ sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen und schmiedete einen neuen Plan: einen Hinterhalt. Kundschafter sollten eine große Herde der Emus ausfindig machen, damit die Soldaten sich an sie anpirschen konnten und so der Beschuss aus einer geringerer Distanz möglich war. Auch wenn ihnen das gelang, mussten sie eine weitere Eigenschaft der Emus zu ihrem Erstaunen feststellen. Denn die Tiere konnten manche Treffer einfach wegstecken, ohne dabei zu Boden zu gehen oder an Tempo zu verlieren. Der Grund hierfür war die enorme Fettschicht, welche die flugunfähigen Vögel besitzen. Gepaart mit ihrer Schnelligkeit konnten die Emus diese Schlacht wieder ohne große Verluste für sich entscheiden und fliehen. 

Aber auch diese Niederlage sollte den Kampf noch nicht beenden. Die Soldaten hatten noch eine letzte Idee: Maschinengewehre auf Lastwagen! Damit wollten sie mit der Schnelligkeit ihrer Feinde mithalten. Also sollten Kundschafter wieder eine Herde ausfindig machen. Bei ihren Versuchen, sich an die Herden anzuschleichen, mussten die Späher feststellen, dass die Emu-Herden selbst sowas wie Kundschafter besaßen. Diese befanden sich etwas außerhalb der Haupt-Herde und warnten sie, wenn sich die menschlichen Widersacher ihren Kameraden näherten. Bei der Umsetzung der neuen Strategie vergaßen Meredith und seine Truppe wohl, dass sie aufgrund des stark unwegsamen Geländes auf den Transportern bei hohem Tempo nicht richtig zielen konnten. So trafen wieder nur wenige Schüsse ihre gefiederten Gegner. Angeblich soll ein Emu, welcher mit einem der Wagen kollidierte, diesen sogar zum Umkippen gebracht haben. Ob dies ein heldenhafter Akt des Vogels oder doch nur ein Unfall war, bleibt wohl für immer offen. Egal, was seine Motive waren, mit seinem Opfer konnte der Emu viele Mitglieder seiner Herde retten. Allein bei dieser Schlacht wurden etwa 2000 Patronen von dem Trupp auf ihre Erzfeinde abgefeuert. 

Das Ende 

Nachdem John Meredith diese Ereignisse den Verteidigungsminister beschrieb, erklärte dieser den Kampf für aussichtslos und die Operation als gescheitert. Auch die hohen Kosten für die Patronen, die benötigt wurden, waren wohl ausschlaggebend für den Abbruch des Einsatzes. Die Soldaten wurden also folglich abgezogen und das Gelände den siegreichen Emu-Herden überlassen. Auch wenn es in den Folgejahren immer wieder Versuche der Regierung gab, die Emus zu dezimieren, gelang es ihnen nie, die Vögel großräumig zu vertreiben. Die Medien spotteten in den folge Monaten über die Männer, welchen es nicht gelang, eine Herde Vögel zu besiegen. Wohl ohne zu wissen, zu was die Vögel alles im Stande waren. Das Problem wurde später erst gelöst, indem ein riesiger Eisenzaun durch das Land gezogen wurde, welcher nicht von den Emus zerstört werden konnte und sie so von den Feldern fern hielt.

Eine australische Zeitung mit „Kriegsberichtserstattung“ zum Bau des Zauns (Quelle: Spiegel)

Fazit

Diese Geschichte ist einerseits absurd lustig und bietet bis heute Platz für Legenden und Witze. Andererseits sollte sie uns aber vielleicht auch eine Mahnung sein, die Natur mit Respekt zu behandeln. Wir müssen einen Weg finden, mit den anderen Lebewesen auf dieser Welt zu leben. Es darf nicht das Ziel sein zu versuchen sofort alles auslöschen und zu kontrollieren, sollte es Probleme geben. Denn wie der „Emu-War“ zeigt, kann uns diese Vorgehensweise teuer zu stehen kommen!


Quellen und Fußnoten

Bild 1: https://images.beastsofwar.com/2023/07/11366206-Emu_War_Of_1932-999.jpg

Bild 2: https://cdn.prod.www.spiegel.de/images/365eb89a-0001-0004-0000-000000862088_w920_r1.4972617743702081_fpx33.36_fpy49.95.webp

https://www.youtube.com/watch?v=Htsk8baetjo