ein Beitrag von Viviane Pietrzak
Fühlst Du dich auch oft ohne jegliche Routine im Alltag und lebst in den Tag hinein? Genau darüber habe ich mich mit einer Studentin unterhalten, die meine Wohnung besichtigt hat. Sie hat ihr Studium mittlerweile abgeschlossen und freut sich auf die Arbeit. Eine Arbeit, in welcher es eine Struktur gibt, feste Uhrzeiten, zu denen man arbeitet, feste Zeiten, zu denen man eine Pause einlegt. Sie hat mir geschildert, dass Sie bis zum Ende ihres Studiums keine Routine und Struktur für ihren Alltag gefunden hat. Das führte bei ihr dazu, dass sie all ihre Aufgaben nach Lust und Laune erledigt hat. Dieses Gefühl kenne ich – und du vielleicht auch.
Ich dachte, es ist vielleicht nur eine Phase, die bald vorbeigehen würde. Mittlerweile studiere ich seit einem Jahr und habe immer noch keine Routine für mich entdeckt. Aber wie auch?
Wie sollen wir eine Routine schaffen, wenn wir teils zwischen Tür und Angel stehen und nicht wissen, wie wir all unsere Aufgaben unter einen Hut bekommen sollen?
Einkaufen, lernen, aufräumen, sich um wichtige bürokratische Aufgaben im Privaten kümmern, Praktika, Freunde in der Heimat besuchen, wöchentlich nach Hause fahren, um die Familie zu sehen oder vielleicht auch nur um Wäsche zu waschen und dann gibt’s da auch noch den Freund oder die Freundin, welche man regelmäßig sehen möchte um, die Beziehung aufrechtzuerhalten. Von A nach B nach C und wieder zurück nach A pendeln. Und manch einer muss sich seinen Lebensunterhalt durch Nebenjobs finanzieren. Wir haben so viele Baustellen, die in der Woche zu bewältigen sind, dass es uns fast unmöglich ist, eine Routine zu finden. Es herrscht Stress und Unordnung, weil man gar nicht weiß, wo man anfangen soll.
Es gibt keinen Arbeitgeber oder Arbeitgeberin, der oder die uns vorschreibt, wann wir zur Uni gehen sollen, welche Vorlesungen wichtig für uns sind und welche nicht. Vor allem jedoch, sagt uns keiner, wann wir Feierabend machen dürfen. Gibt es das überhaupt? Vermutlich nicht! Denn egal, was wir auch studieren, das Studium hat kein Ende. Zumindest nicht, bevor wir einen Abschluss erreicht haben.
Ich habe ein paar Anregungen für euch, welche mir den Alltag zumindest etwas erleichtert haben:
- Ein Kalender, in welchem man die Uhrzeit nach den Tag planen kann.
- Private Termine, die anstehen, eintragen (z.B. Arzttermine, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern).
- Die Lernzeiten nach festen Terminen im Kalender anpassen.
- Feste Aufgaben, die direkt nach dem Aufstehen erledigt werden (Bett machen, Frische Luft reinlassen, Kaffee kochen, etc.).
- Kleine Ziele setzen, die auch tatsächlich realisierbar sind.
- Am Abend die Tasche für den nächsten Tag packen.
- Selbstreflexion in Form von einem Journal (kleine Erfolge werden so viel mehr wahrgenommen).
- Einmal am Tag rausgehen (zur Uni, ausgehen, spazieren, einkaufen).
- Uni und Privatleben verknüpfen; wieso nicht mit Freunden die Pause vom Lernen verbringen?
- Alle Termine mit dem Partner bzw. der Partnerin absprechen und gemeinsam freie Zeiten füreinander einplanen.
Probiert es aus und vielleicht helfen euch diese kleinen Dinge den Alltag angenehmer zu gestalten. Vielleicht findet der ein oder andere mithilfe dieser kleinen Veränderungen eine Routine für seinen Alltag.
Ich dachte immer, ich wäre alleine mit dem Problem, doch so ist es nicht. Es gibt genügend Student*innen da draußen, denen es genauso geht. Doch darüber reden, tut kaum einer. Seid offener und habt ein Ohr für eure Kommiliton*innen und geht aufmerksamer durch die Welt. Genauso wie ihr ein offenes Ohr für andere haben solltet, solltet ihr eure Probleme auch ansprechen dürfen. Sucht euch eine Vertrauensperson, an die ihr euch regelmäßig wenden könnt. Manchmal reicht ein kleiner Perspektivenwechsel und die Welt ist wieder besser.

